Alwin auf dem Trampolin

Im Garten steht ein kleines, blaues, rundes Trampolin – mitten in der Wiese zwischen weiß-gelben Gänseblümchen und grünem Gras.

Das Trampolin bewegt sich. Es schwingt auf und ab und auf und ab, es scheint nie still zu stehen, denn oben auf dem Trampolin springt Alwin.

Seine Arme wirbeln in die Luft, seine Beine springen hoch und höher, immer höher.

 

„Ich fange die Sonne!“, ruft Alwin, weil die Sonne scheint und er lacht der Sonne zu.

„Du kannst mich nicht fangen. Ich muss doch hier bleiben und die Erde beleuchten und erwärmen. Aber einen Sonnenstrahl darfst du haben!“, sagt die Sonne und streckt Alwin ihre vielen, vielen Strahlen entgegen.

Alwin springt höher und höher und greift mit seinen kleinen Händen nach einem besonders dicken Sonnenstrahl.

„Ich hab’ ihn!“, ruft er glücklich. „Danke, liebe Sonne für den leuchtend-warmen Sonnenstrahl! Den schenke ich meiner Schwester, weil sie manchmal traurig ist. Ich glaube, mit dem Sonnenstrahl wird sie wieder fröhlich werden!“

 

Und Alwin springt weiter. Er wird nicht müde vom Springen, immer höher und höher hüpft er auf dem Trampolin.

 

Ein Vogel fliegt vorbei.

„Vogel, gib acht, gleich fange ich dich!“, ruft Alwin und springt hoch hinauf zum Vogel.

„Das geht nicht“, sagt der Vogel, „du kannst mich nicht fangen, weil ich in den Süden fliegen muss. Ich habe noch eine weite Reise vor mir. Aber ich schenke dir eine Feder, wenn du möchtest!“

Und Alwin hüpft noch höher, der Vogel setzt sich auf seine Hand und zupft sich vorsichtig eine Feder aus.  Eine blau-schwarz-weiße, wunderschöne Feder und legt sie Alwin in die Hand.

„Danke, lieber Vogel!“, ruft Alwin und winkt dem Vogel nach. „Ich werde diese Feder gut aufbewahren und dich nicht vergessen! Gute Reise, lieber Vogel!“

 

 

Alwin springt und springt, die Sonne wandert Richtung Horizont, da steigen rosa Wolken auf.

„Hallo, ihr schönen Wolken!“, ruft Alwin, „gleich habe ich euch, ich fange euch und halte euch fest!“

„Das geht doch nicht!“, rufen die Wolken zurück und kichern ein wenig. „Wir wollen hier oben segeln und schweben und auf die Erde blicken. Wir lieben es, alles zu überschauen und die Sonne zu begleiten, wenn sie den Horizont erreicht und untergeht. Du darfst uns diese Freude nicht nehmen!“

 

Alwin springt nun so hoch, dass er eine Wolke berührt. Sie ist weich und kühl.

„Ihr fühlt euch so angenehm an!“, meint Alwin, „darf ich wenigstens ein kleines Stück von euch für ein sanftes Kissen haben, damit ich immer schön träumen kann?“

„Nein!“, sagen die Wolken, „aber wenn du magst, darfst du ein Stück mit uns reisen.

Alwin springt noch höher auf seinem Trampolin und landet auf einer kuschelig-weichen rosa Wolke. Er reist mit den Wolken hoch oben und schaut hinunter auf seinen Garten.

Es geht weiter über die Dächer der Stadt, hinaus aufs Land über Felder und den tiefen dunkelgrünen Wald.

„Das ist wunderschön!“, jauchzt Alwin beglückt. „Aber könnt ihr mich jetzt wieder zurückbringen zu meinem Trampolin? Ich werde langsam müde und schläfrig.“ Alwin gähnt lange mit weit offenem Mund

„Nein!“, sagen die Wolken, „das können wir nicht, wir werden vom Wind getragen, der uns jetzt in diese eine Richtung treibt.“

 

Alwin denkt nach, er will wieder nach Hause, in seinen Garten, zu seinem Sonnenstrahl, der schönen Feder und seinem runden, blauen Trampolin inmitten der Gänseblümchen. Ein wenig traurig ist er jetzt und angestrengt überlegt er, wie er es wohl anstellen könnte, nach Hause zu kommen.

Es wird auch schon kühl, denn die Sonne ist schon halb verschwunden und die Abenddämmerung streckt ihre abendliche Kühle immer weiter über das Land aus. Die Wolken bekommen Gesellschaft von anderen Wolken, es bildet sich nach und nach ein großes Wolkenmeer, das den ganzen Himmel bedeckt.

 

„Okay!“, denkt Alwin, „ich weiß schon, was ich mache. Ich habe eine Idee!”
Und er springt nun von einer Wolke zu nächsten. Auf und ab und immer weiter Richtung nach Hause. Es ist ein langer Weg nach Hause, aber das Hüpfen auf den Wolken macht ihm großen Spaß.

Als er seinen Garten sieht, bittet er eine freundliche Wolke, sich ein bisschen tiefer hinab zu beugen und springt endlich nach dieser langen Reise auf den Wolken auf sein Trampolin.

 

„Tschüß, liebe schöne Wolken!“, ruft er ihnen nach, springt noch einige Male auf und ab und hüpft dann vom Trampolin herunter – mitten in die Gänseblümchen, die bereits ihre Blütenköpfe geschlossen haben – und läuft, so schnell ihn seine kleine Beine tragen – in der einen Hand den Sonnenstrahl und in der anderen die blau-weiß-schwarze Feder –  fröhlich, aber müde nach Hause.

 

 

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